Das Vikunja (Vicugna vicugna) gehört zur Familie der Kameliden und ist die kleinste der vier südamerikanischen Arten. Es lebt ausschließlich in freier Wildbahn in den Hochlagen der Anden, vor allem in Peru, Bolivien, Argentinien und Chile.
Die Tiere erreichen eine Schulterhöhe von etwa 80 bis 90 Zentimetern und wiegen zwischen 35 und 50 Kilogramm. Vikunjas leben in kleinen Familiengruppen, bestehend aus einem Männchen, mehreren Weibchen und deren Jungtieren. Sie ernähren sich überwiegend von kargen Gräsern und Kräutern, die in den Hochanden vorkommen. Durch ihre große Lunge und ihr effizientes Herz-Kreislauf-System sind sie an den Sauerstoffmangel in Höhenlagen bis zu 4.800 Metern optimal angepasst. Ihr Fell schützt sowohl vor starker Sonneneinstrahlung als auch vor extremen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht.
Die kleinsten Kamele der Welt mit der wertvollsten Wolle.
Mit ihrem sanften Blick, den schlanken Beinen und dem seidigen, goldbeigen Fell wirken Vikunjas fast wie Wesen aus einer anderen Welt. Diese seltenen Wildtiere, die zu den kleinsten Mitgliedern der Kamelidenfamilie gehören, leben in den hochgelegenen Regionen der südamerikanischen Anden – frei, ungezähmt und seit Jahrhunderten verehrt.
Schon die Inka verehrten das Vikunja als heiliges Tier. Nur Könige und höchste Adlige durften Kleidung aus seiner Wolle tragen. Das Scheren war streng reglementiert – ein Ritual, das oft nur alle drei Jahre stattfand und bei dem die Tiere lebendig gefangen, geschoren und wieder freigelassen wurden.
Vikunjas sind äußerst scheu und wachsam. Sie leben in kleinen Familienverbänden, bestehend aus einem Männchen, mehreren Weibchen und deren Jungtieren. Ihre Flinkheit ist legendär – bei Gefahr erreichen sie Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h, um Raubtieren oder Menschen zu entkommen.
Die Population der Vikunjas war durch Jagd und Wilderei in den 1960er-Jahren fast erloschen. Dank strenger Schutzgesetze und internationaler Abkommen konnten sich die Bestände erholen. Heute gilt das Vikunja als Symbol für nachhaltigen Luxus – und als lebender Beweis, dass Naturschutz und kulturelle Tradition Hand in Hand gehen können.
Schon vor Jahrhunderten ehrten die Inka Vikunjas wie heilige Wesen. Heute, wenn man ein Kleidungsstück aus Vikunjawolle in den Händen halte, spürt man diesen Augenblick wieder. Den Blick dieser Tiere. Den Hauch der Berge. Und das Wissen, dass echter Luxus nicht laut, sondern leise ist – und seinen Ursprung in einer Begegnung auf 4.000 Metern Höhe haben kann.